Kindern zu helfen – DAS ist für „Unter uns“-Star Jens Hajek eine Herzenssache
Seit 10 Jahren mischt Jens Hajek (58) als Benedikt Huber die Schilleralle auf. Doch wie tickt der Schauspieler eigentlich privat? INSIDE hat anlässlich seines 10. Unter-uns-Jubiläums einmal nachgefragt!
Zwischen TV-Kamera und großer Theater-Bühne
Eine Daily lebt von Drama. Nicht selten ist deine Rolle die, die in die Schuhe des Bösen schlüpft. Wie gehst du damit privat um?
Jens: Ich kann das ganz gut am Set lassen. Besonders nach Szenen, in denen man sich zum Beispiel stark gestritten hat oder vielleicht auch handgreiflich geworden ist, nutzen wir die Zeit danach, um uns in den Arm zu nehmen, gemeinsam tief durchzuatmen und uns zu sagen, dass alles gut ist. Da merkt man dann schon, dass solche Szenen was mit einem machen. Aber mit nach Hause nehmen oder über Wochen auch privat in der Rolle bleiben, wäre mir zu anstrengend. Das wäre auch glaube ich nicht schön für die Menschen in meinem privaten Umfeld, denn die wollen sich ja nicht mit Benedikt Huber treffen, sondern hoffentlich mit Jens.

Du bist aber nicht nur Daily-Star, sondern auch leidenschaftlicher Theaterschauspieler – erinnerst du dich noch an das erste Stück, das du im Theater gesehen hast?
Wahrscheinlich etwas mit der Schule, aber das war nicht so überwältigend. Dann habe ich aber Raimund Harmstorf als Götz von Berlichingen gesehen. Das hat mich sehr beeindruckt. Generell hat mich am Theater von Anfang an fasziniert, dass das Licht ausgeht, der Vorhang aufgeht und man eine ganz andere Welt präsentiert bekommt. Man ist zwei Stunden in einer Geschichte und dann geht der Vorhang wieder zu und das wars. Das ist immer noch die Hauptmotivation für mich als Schauspieler: Leuten Geschichten zu erzählen. Das ist glaube ich das Wichtigste.
Wenn ich nur noch ein einziges Stück in meinem Leben sehen könnte, welches würdest du mir empfehlen?
Also das witzigste Stück, das ich je gesehen habe, ist The Play That Goes Wrong beziehungsweise auf deutsch Chaos auf Schloss Haversham. Da passiert wirklich nur das Schlimmste, alles läuft schief. Ich habe das in London gesehen und gedacht, ich überlebe das nicht, weil ich so gelacht habe. Das empfehle ich auch allen, die nach London fahren.
Man hört häufig „Junge Menschen gehen nicht mehr ins Theater“ – stimmt das?
Stimmt nicht ganz. Ich habe letzten Sommer bei den Schlossfestspielen Neersen noch den Club der toten Dichter gespielt, da war die Hütte immer voll und ganz oft waren Eltern mit ihren Kindern da. Viele Eltern kennen den Film und dadurch waren dann viele Jugendliche mit, die nachher auch durch die Bank begeistert waren.
Jens Hajek: „Klar gibt es Inklusion, aber da fehlt es dann an Geld und an Stellen“
Neben deinem Beruf verbindet man mit dir besonders dein Engagement – du bist zum Beispiel Schirmherr des Philip Julius e.V. Für die Leser, die darüber noch nichts wissen: Kannst du einmal kurz erzählen, worum es dabei geht und wie das zu Stande kam?
Philip Julius e.V. ist ein Verein, der sich um Familien mit mehrfach schwerstbehinderten Kindern kümmert und ihnen hilft. Ich bin dazu gekommen, weil ich Patenonkel von Philip Julius war, dem Sohn eines sehr, sehr guten Freundes von mir, den ich schon seit der Grundschule kenne. Und der hat nach dem Tod von Philip Julius dann den Verein ins Leben gerufen, um Familien zu helfen und sie zu stärken.
Das fängt an bei kleinen Dingen wie einer Telefonberatung, die aufkommende Fragen der Eltern beantwortet. Es gibt aber auch die so genannte ‚Atempause‘, in der Eltern mit ihren Kindern in den Urlaub fahren können, in dem die schwerstbehinderten Kinder betreut werden, sodass die Eltern auch mal wieder Zeit zu zweit haben können.
Ich glaube, das ist etwas, was sich viele Menschen gar nicht vorstellen können: Was ein Leben mit einem mehrfach schwerstbehinderten Kind für ein Kraftakt ist. Ich ziehe da jedes Mal den Hut vor. Der Philip Julius e.V. organisiert aber auch zum Beispiel Projekte für die Geschwisterkinder, sprich die, die immer zu kurz kommen, weil der Fokus im Alltag natürlich immer auf dem schwerstbehinderten Kind liegt und die dadurch schon ganz früh erwachsen werden müssen. Und da bin ich seit ungefähr zwölf Jahren jetzt der Schirmherr und konnte das Projekt auch zum Beispiel bei ‚RTL – Wir helfen Kindern‘ vorstellen und die haben das auch finanziell unterstützt – das war ein riesiger Meilenstein.

Das ist sicher eine Thematik, bei der viele Menschen erst einmal gewisse Berührungsängste haben, oder?
Ja, ist ja auch irgendwie verständlich. Ich war auch total überfordert als Patenonkel. Da kann man nicht mal eben zusammen zum Fußball gehen oder ein Lego-Set zu Weihnachten schenken. Das ist schon etwas, was Menschen vielleicht lernen müssen, was aber auch ein bisschen daran liegt, dass das in unserer Gesellschaft immer mehr weggedrückt wird. Klar gibt es Inklusion, aber da fehlt es dann an Geld und an Stellen. Ich glaube, da ist noch viel Luft nach oben.
Was würdest du dir von anderen Menschen im Umgang mit schwerstbehinderten Kindern wünschen?
Ich glaube eine gewisse Normalität. Ich habe auch Momente, in denen ich nicht genau weiß, was ich machen soll. Aber manchmal reicht es, sich hinzusetzen, den Eltern zuzuhören oder die Hand des Kindes zu nehmen und zu signalisieren, dass man da ist. Diese Hemmschwelle in der Berührung und der Begegnung mit Behinderten muss runtergesetzt werden. Klingt aber natürlich immer leichter, als es am Ende dann ist.
Wenn wir uns in 10 Jahren nochmal sprechen zu deinem 20. Unter-uns-Jubiläum – was hoffst du, was in dieser Zeit passiert ist?
Ich hoffe, dass es dann doch endlich zu dem Gastauftritt von Bruce Springsteen gekommen ist in der Serie. Das steht ganz oben auf der Liste. Ich hoffe, dass der Huber immer noch lebt (lacht) und dass generell die Serie noch lebt, weil in Streamingzeiten haben es Dailys natürlich nicht leicht. Und ich hoffe, dass wir dann in einer Zeit telefonieren, in der nicht um die Ecke Krieg herrscht. Das sind große Worte, aber ich finde, es ist schon gerade so, dass es üble Zeiten sind, in denen wir leben und ich wünsche mir, dass sich das bis dahin wieder ändert.
