x
Close
Elena Uhlig enthüllt: Warum sie Rollen nach Kollegen auswählt – und nicht nach Drehbuch
Copyright: IMAGO/Sven Simon

Elena Uhlig packt aus: Ihr Geständnis zur Wahl einer Rolle ist überraschend

  • PublishedMai 13, 2026

Elena Uhlig (50) gehört seit Jahren zu den markantesten Gesichtern der deutschen Film- und Fernsehlandschaft – bekannt für ihre Vielseitigkeit, ihren Humor und ihre unverstellte Art. Ob in emotionalen Rollen oder mit scharfem Witz: Sie bringt Figuren mit Ecken und Kanten glaubwürdig auf die Leinwand. Gleichzeitig erfindet sie sich immer wieder neu, etwa als Unternehmerin mit eigenem Modelabel. INSIDE sprach mit der charmanten Powerfrau über die Schauspielerei, Familie und den Mut neue Wege zu gehen.

„Alles steht und fällt mit den Kollegen“

INSIDE: Frau Uhlig, in „Mama ist die Best(i)e“ spielen Sie die „Bernadette“, eine eher zwielichtige Figur. Elena Uhlig: Ich bin die einzig normale in dem Film. Zwielichtig, möchte ich betonen, das sind die anderen (lacht). Also ich finde Bernadette wirklich nicht zwielichtig, sondern ihr wird ja übel mitgespielt.

Wie viel Spaß macht es Ihnen mal die nicht ganz saubere Seite zu zeigen?
Ja, das ist natürlich großartig. Bei einer Sauberfrau hat man ja nicht so viel, was man spielen kann. Es ist immer wichtig, dass man als Schauspieler eine Rolle bekommt, an der man sich abarbeiten kann. Für mich als Schauspielerin ist es immer wichtig, wenn eine Figur Ecken und Kanten und dunkle Geheimnisse hat. Und das Tolle ist ja, dass man als Schauspieler Sachen spielen kann, wo man denkt: Moment, das kann doch gar nicht wahr sein! Man führt ein Saubermann-Leben und dann rutscht man in so Sachen rein, denen man im wahren Leben nicht begegnen möchte. Das Schöne ist, die Kollegen, mit denen ich spiele, Adele Neuhauser oder Roland Koch – das sind natürlich die Großen ihrer Zunft – und wenn man mit denen spielen darf, dann merkt man dieses Handwerk, was da ist. Und das ist großartig und dann macht so ein Spiel auch richtig Spaß, weil du dann richtig auf die Zwölf hauen kannst.

Wie wählen Sie Ihre Rollen aus – eher nach Drehbuch, Regisseur oder Bauchgefühl?
Also wenn ich einen Anruf von meiner Agentur bekomme und es heißt: Du bekommst ein Angebot, dann frage ich interessanterweise nicht danach, wer führt Regie oder wer hat das Drehbuch geschrieben, sondern ich frage, wer die Kollegen sind. Ich entscheide meistens anhand der Kollegen, weil man daran erkennt, wie hochkarätig dieser Film eingeschätzt wird. Und wenn du die Kollegen kennst, wenn du weißt, wie sie spielen, wie sie arbeiten, dann weißt du: Sollten andere Sachen schief gehen, dann hast du eine Bank an Kollegen, denen du einfach nur zuhören und darauf antworten musst. Deswegen steht und fällt es mit den Kollegen.

Und das bedeutet, dass Ihr Verhältnis zu Adele Neuhauser auch ziemlich gut ist?
Oh ja, wir haben vor vielen Jahren „Vier Frauen und ein Todesfall“ zusammengedreht, ich finde sie einfach extrem lustig. Und wo Adele mitspielt, da kann man blind zusagen. Die ist auch die viel größere Schauspielerin als ich, auch wie sie sich vorbereitet, viel gewissenhafter. Die kann man im Schlaf wecken und die weiß ihren Text und alles. Das bin nicht ich, ich bin eher Kamikaze. Aber mit ihr weiß man, da kann eigentlich nichts schief gehen.

Die Aktrice nimmt vieles mit Humor und genießt das Leben in voll Zügen.
Die Aktrice nimmt vieles mit Humor und genießt das Leben in voll Zügen. Copyright: IMAGO/Stephan Wallocha

Elena Uhlig weiß, dass eine Hauptrolle unglaublich anstrengend ist

Sie haben gerade gesagt, dass Sie am Set „Kamikaze“ sind. Sie sind auch Mutter von vier Kindern – wie schaffen Sie alles unter einen Hut zu bringen?
Ja, das ist ja immer eine organisatorische Frage. Man wächst mit den Aufgaben da so rein. Es ist auch nicht so, dass ich jetzt zwei Monate durchgehend am Set war. Sondern zwischen 7 und 11 Tage. Dann hat es natürlich viel mit Reiserei zu tun, denn das Set ist natürlich nicht vor der Haustür. Das finde ich, ist immer ein Spagat in der Schauspielerei, dass du meistens nicht da drehst, wo du wohnst. Du musst immer aufbrechen. Und in dem Moment brichst du weg von deiner Familie, du bist wie auf Montage. Und ich versuche mir dann immer eine schöne Zeit zu machen, der Roland und ich waren abends immer noch zusammen essen und haben dann über die Schauspielerei schwadroniert. Das ist dann auch mal eine ganz schöne Auszeit und dann sagen wir beide: „Jetzt müssen wir mal ins Hotel, weil wir mit der Familie sprechen wollen“. Es ist ein Spagat zwischen zwei Welten. Bei Adele ist das natürlich etwas anderes, denn sie hatte ja die Hauptrolle. Wenn du weißt, du musst jetzt nicht 30 oder 40 Drehtage hintereinander stemmen und deine Augen müssen am nächsten Tag halbwegs wach aussehen, dann kann man die Schauspielerei viel freier nehmen. Wenn man die Hauptrolle spielt, ist das ein anderer Schnack. Da machst du gar nichts mehr. Lernst deinen Text, gehst schlafen, stehst auf und gehst zum Set.

Ihr Mann Fritz Karl stemmt wahrscheinlich auch einiges, damit es Zuhause dann auch läuft?
Wir wechseln uns ab, aber wir haben eine Kinderfrau, seit vielen, vielen Jahren. Und ohne sie, wäre dieser Beruf, in dieser Form nicht möglich. Wir haben das erst letzte Woche erlebt, erst dreht der eine, dann der andere, es war alles super geregelt. Und dann kommt ein Krankheitsfall bei ihm am Set und es wird alles durcheinandergeworfen. Du bist weisungsgebunden, dann heißt es, wir drehen die nächste Woche. Und Kinder sind in unserem Beruf kein Grund zu sagen: Ich kann nicht kommen. Also Sperren werden eigentlich nur akzeptiert, wenn sie lange vorher eingereicht sind und wenn sie etwas mit einem anderen Projekt zu tun haben. Familienfeiern oder Elternsprechtagen etc., all das interessiert niemanden. Du hast einfach da zu sein. Das ist schon krass.

Frische Energie dank eigenem Modelabel

Wo tanken Sie Kraft? Haben Sie ein geheimes Hobby, das man nicht vermuten würde? Oder gehen Sie zum Yoga, um sich zu entspannen?

Ne, also dabei kriege ich gar keine Entspannung, da kriege ich Aggressionen. (lacht) Der Witz ist eigentlich, dass Drehen mein Hobby in den letzten Jahren geworden ist. Ich drehe gar nicht so viel. Erstmal sind die Rollenangebote gar nicht so da, ich bin in so einem Alterssegment, wo es auch gar nicht so viele Rollen gibt. Es ist ja ein Geschenk, dass man eine Rolle kriegt, wie zum Beispiel bei Adele. Die Autoren haben sich Adele in der Rolle sofort vorstellen können, und das ist ein Geschenk. Das habe ich in dieser Form nicht so, für mich ist Drehen oft eine Auszeit. Denn neben der Schauspielerei und den Kindern habe ich ja noch mein eigenes Modelabel. Obwohl die Selbstständigkeit und ein eigenes Label zu haben, wahnsinnig anstrengend ist, macht mir das extrem viel Spaß und lässt mich auftanken, weil es so etwas ganz artfremdes ist. Ich kreiere Mode, aber ich muss keine andere Figur kreieren. Und das liebe ich. Ich wollte immer etwas in den Händen halten, die Schauspielerei ist so vergänglich. Man kann sich zwar die Filme dann ansehen, aber wenn du eine Strickjacke, die du selber entworfen hast, in den Händen hältst, und das ist deine Marke – das finde ich ist das Allertollste!

Auffällig: Elena Uhlig liebt extravagante Mode.
Auffällig: Elena Uhlig liebt extravagante Mode. Copyright: IMAGO/Sven Simon

Wie lange gibt es das Label schon?
Gestartet bin ich Ende 2023, aber reell dann Anfang 2024. Und seit 2025 habe ich auch mein Büro und mein Lager in München. Ich liebe das! Es heißt “Frau Uhlig”, das Label. Und da geht mein Herz auf.

Gibt es die Sachen online oder im Store?
Es ist nur online unter frauuhlig.de.. Wenn es die Sachen im Store geben würde, müsste ich eine andere Preisphilosophie fahren. Sonst müssten die Sachen das doppelte Kosten, denn dann müsste ich Miete, die Angstellten und das Büro zahlen. Und trotzdem versuche ich es auch online so persönlich, wie möglich zu machen. Die Leute wissen, wer es verschickt, namentlich draufgeschrieben. Auf meinem Instagramkanal FrauUhlig_Mode zeige ich die Mode auch, mache lives und erkläre alles.

Für welche Zielgruppe ist die Mode?
Es gibt ein paar Kinderteile, weil meine Kinder denken, dass ich Ihnen heimlich Pullover stricke. Die Zielgruppe sind ganz klar Frauen, obwohl ich jetzt auch die K-Linie für den Mann herausbringe. Es ist aber ganz klar frauenlastig und auch vom Preissegment würde ich sagen: Du musst dein Studium hinter dir haben und auch was verdienen. Das Schöne ist, ich bin jetzt 50 und sage: Ich mache jetzt nochmal völlig Neues – und es funktioniert. Und die Frauen nehmen das an und ich mache das Leben ein bisschen bunter. Man sagt auch, dass man mit dem Alter unsichtbar wird. Und mit meiner Mode werden sie nicht unsichtbar, sondern eher laut und farbenfroh.

Was war Ihr größtes „Aha“-Erlebnis in der letzten Zeit?

Mein Mann und ich gehen ja auch auf Tour “Beziehungsstatus: erledigt” und es kommt ja auch ein Nachfolgeprogramm. Da ist man so sehr an den Menschen dran, das liebe ich sehr.

Elena Uhlig gesteht: „Ich liebe das Prinzessinnen-Dasein!“

Sie sind mit Ihrem Mann Fritz Karl schon seit 2006 zusammen, haben aber erst vor drei Jahren geheiratet – was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Da müssen Sie meinen Mann fragen.

Ach sind Sie da so klassisch unterwegs?
Tatsächlich. So feministisch ich auch bin, bin ich da eher klassisch und ich hätte nie den Antrag gemacht.

Warum nicht?

Weiß ich nicht, kann ich Ihnen gar nicht sagen. Das wollte ich nicht. Vielleicht weil ich in meinem Leben immer den Spagat zwischen Feminismus und Julia Schundt-Romanen gelebt habe. Und natürlich auch vom Film komme und tatsächlich dieses Prinzessinnen-Dasein auch liebe. Und gleichzeitig auch sage: „Mensch, die Prinzessin muss sich emanzipieren!“ Aber trotzdem finde ich den Ritter auf dem weißen Pferd mit den Blumen in der Hand toll. Zudem finde ich es auch unglaublich wichtig, dass wir Frauen finanziell unabhängig sind. Ich bin auch ohne Vater groß geworden und weiß, was meine Mutter gekämpft hat, dass wir unser Leben gut leben konnten. Und wenn nur ein Verdiener da ist, ist es einfach schwieriger. Denn wenn man zwei Gehälter hat, kann man sich natürlich mehr davon leisten. Die Wohnung kostet trotzdem das gleiche. Aber ich liebe auch Geschichten und kann in Geschichten aufgehen und liebe es erobert zu werden.

Große Liebe: Elena Uhlig und Fritz Karl sind seit 20 Jahren ein Paar.
Große Liebe: Elena Uhlig und Fritz Karl sind seit 20 Jahren ein Paar. Copyright: IMAGO/Christoph Hardt

Wenn Sie einen Tag komplett für sich haben – ohne Dreharbeiten, Termine oder Social Media – wie würde Ihr perfekter Tag aussehen?

Essen.

Was bestimmtes?
Alles. Alles worauf ich Lust habe. Dann spazieren gehen, chillen, Fernsehen gucken oder mit Freundinnen treffen.

Welche Projekte stehen bei Ihnen demnächst an?
Ich habe jetzt gerade Helen Dorn abgedreht. Jetzt drehe ich gerade Mord mit Aussicht. Das kommt aber erst Anfang 2027, ansonsten kommen natürlich tolle neue Mode-Sachen.

Sehenswert: In der bitterbösen Krimikomödie „Mama ist die Best(i)e“ (ab sofort in der ZDF Mediathek & am 18. Mai um 20:15 im ZDF) spielt Elena Uhlig an der Seite von Adele Neuhauser (67) eine langjährige Freundin.


Würdet ihr bei einem Antrag dem/der Partner:in den Vortritt lassen?


Written By
Carina Lehmann