„Mama hielt meinen Traum am Leben!“ – So tickt Marie Wegener, Musical-Star und DSDS-Siegerin von 2018, privat!
Ab dem 28. November fliegt Marie Wegener (24) in der Rolle des Engels in Der Geist der Weihnacht über die Bühne des Metronom Theaters in Oberhausen. Kurz vor Beginn der Proben konnten wir mit der Sängerin sprechen.
Marie Wegener über „Der Geist der Weihnacht“
INSIDE: Du spielst in diesem Jahr erneut bei „Der Geist der Weihnacht“ mit – wie unterscheidet sich diese Inszenierung von der letzten? Bist du gelassener?
Marie: Für mich ist es vielleicht etwas routinierter, weil ich das Stück ungefähr 30-mal gespielt habe letztes Jahr und dann kommt man natürlich leichter wieder rein. Aber ich freue mich unfassbar darauf, weil das so ein toller Spirit ist und so eine schöne Geschichte, die dahintersteckt. Ich bin sehr glücklich, dass ich das Stück noch einmal spielen darf.
Die Inszenierung unterscheidet sich von der Vorlage von Charles Dickens. Magst du da ein bisschen was zu erzählen?
Ja, genau. Es gibt ja zig Verfilmungen der Geschichte von Charles Dickens, in denen dann immer drei Geister erscheinen und die durch das Vermitteln von Angst wollen, dass Mr. Scrooge zu einem besseren Menschen wird. Hier ist es so, dass es einen Engel gibt, der nur durch die Kraft der Liebe handelt und Mr. Scrooge durch die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft führt. Dabei vermittelt der Engel aber einfach nur positive Werte und Gefühle. Das zeigt ein bisschen, dass es nicht unbedingt immer Angst braucht, um eine Veränderung hervorzurufen, sondern, dass gute und positive Gedanken auch reichen, um zu einem besseren Menschen zu werden.
Du spielst ja den Engel, wie ist das dann für dich? Was sind besonders berührende oder herausfordernde Aspekte an der Rolle?
Also am Anfang des Stückes, wenn ich erscheine, geht man nicht davon aus, dass ich noch eine andere Rolle trage als den Engel. Allerdings war auch der Engel einmal ein lebendiger Mensch, nämlich Belle, die Geliebte von Mr. Scrooge. Die einzige Person, für die er jemals Liebe empfunden hat und an dessen Seite er noch ein glücklicherer Mensch gewesen ist, nicht so voller Hass und Gier. Doch Belle ist irgendwann gestorben und im Laufe des Stückes, wenn der Engel und Scrooge am Grab stehen, wird ihm klar, dass der Engel, der ihn gerade durch seine Vergangenheit und Gegenwart und jetzt in seine Zukunft leitet, eigentlich der Mensch ist, den er über alles geliebt hat. Das ist schon ein sehr, sehr emotionaler Moment. Und wenn dann das Publikum das auch versteht, werden sehr viele sehr emotional.
Unabhängig davon hat das ganze Musical so einen unfassbar schönen Charme für Familien und Kinder. Wir haben ja auch Kinder im Cast und die spielen ihre Rollen so ehrlich, so herzlich und haben so eine Lebensfreude, das kann man sich gar nicht vorstellen. Das ist für mich mit das Schönste am ganzen Stück, diese Ehrlichkeit und die Freude, die die Kinder ausstrahlen. Das macht es für mich sehr besonders.

Sandy Mölling und du wechselt euch in der Hauptrolle ab, hattest du schon Gelegenheit sie kennenzulernen?
Nein, bis jetzt noch nicht. Aber für mich ist es auf jeden Fall eine riesige Ehre, mir mit einer mittlerweile gestandenen Musical-Darstellerin diese Rolle teilen zu dürfen. Ich habe mir von Sandy auch schon ein paar Sachen angeguckt und sie ist auf jeden Fall richtig krass im Game, was Musicals angeht. Ich werde sicherlich auch zu ihr aufsehen, weil sie das Stück auch schon ein paarmal gespielt hat und da wahrscheinlich auch noch mal anders rangehen wird als ich. Aber das ist ja eigentlich gerade das Interessante, wäre ja auch langweilig, wenn wir eins zu eins gleich spielen würden. Ich bin sehr gespannt und ich freue mich, mir mal anzugucken, wie sie den Engel spielt.
Nächstes Projekt: Starlight Express?
Wenn du dir eine Rolle in egal welchem Musical wünschen könntest, welche wäre das?
Boah, das ist eine sehr, sehr gute Frage. Also wo ich zum Beispiel gerne mal mitspielen würde, wäre bei Starlight Express. Ich habe das Stück bestimmt schon fünf oder sechs Mal geschaut und ich glaube, man unterschätzt das, wie schwer es ist, Rollschuh zu fahren und gleichzeitig zu singen. Aber das wäre, glaube ich, so ein Musical, in dem ich gerne mitspielen möchte.
Kannst du denn Rollschuhfahren und würdest du dir das zutrauen, da auch die Rampen runterzubrettern?
Ja, also ich glaube, man kommt da irgendwie rein, oder? Ich bin früher sehr viel Inliner gefahren. Das ist natürlich nicht das Gleiche, aber ich denke, mit viel Training würde ich das schaffen.
„Für alle in der Branche zählt nur das Geld“
Seit deinem DSDS-Sieg 2018 hat sich viel verändert – auf welches deiner Projekte der letzten Jahre bist du besonders stolz und warum?
Das ist auch eine sehr gute Frage, es ist wirklich sehr viel passiert. Ich bin ehrlich: Dass ich mit Dieter Bohlen (71) ein Album aufnehmen durfte, das ist für mich bis heute immer noch etwas, was ich manchmal gar nicht realisiere, weil ich einfach immer schon ein Fan von ihm gewesen bin. Ich durfte nach DSDS auch viele Künstler auf ihre Touren begleiten, das werde ich auch nie vergessen. Bis zur Corona-Zeit hatte ich richtig viele Auftritte, aber dann gab es Phasen in der Pandemie, wo ich echt daran gedacht habe, einfach alles hinzuschmeißen. Es gab keine Auftritte mehr, dazu hatte ich auch viel internen Stress mit dem Management. Aber rückblickend waren das Phasen, die mich stärker gemacht haben.
Trotzdem bin ich dankbar, dass es dann wieder bergauf ging. Ich durfte zum Beispiel auch bei Die Schöne und das Biest mitwirken, 2019 war das, glaube ich. Da waren wir drei Monate auf Tour, durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Das war eine hammer Erfahrung! Und jetzt auch hier in Oberhausen Der Geist der Weihnacht ein zweites Mal zu spielen, ist für mich ein Riesenerlebnis. Es macht so viel aus, Musik vor Publikum zu machen. Da kommt eine einmalige Energie bei dir an und wenn du das Publikum mitreißen kannst, ist das das schönste Geschenk für einen Künstler oder für einen Darsteller.
Du warst bei deinem Durchbruch erst 16 – wer hat dir damals den Rücken gestärkt? Gerade wenn du auch die Schwierigkeiten mit dem Management ansprichst …
Es gibt keinen Menschen, der mir mehr Kraft und mehr Glauben gegeben hat als meine Mutter. Für alle anderen Menschen in der Branche, also wirklich für jeden, dem ich begegnet bin, ist Geld der wichtigste Faktor. Und wenn man gerade in einer Phase steckt, in der es nicht gut läuft, in der man keine Einnahmen hat, in der Social Media nicht so läuft, wenden sich plötzlich all diese Menschen, die dir gesagt haben, wie toll und talentiert du bist, von dir ab. Ich hatte niemanden, der da standhaft geblieben ist, bei mir geblieben ist und mich aufgerappelt hat außer meine Mutter. Da werde ich immer dankbar für sein. Mama ist der Grund, warum ich immer noch weiter mache und weiter an meinen Traum glaube.

DSDS – eine Grenzerfahrung
Und welchen Tipp würdest du jetzt mit 24 jungen Musikern geben?
Mir schreiben so unfassbar viele junge Mädchen, wie sehr sie zu mir aufsehen und dass sie auch davon träumen, bei einer Castingshow teilzunehmen. Ich würde auch immer sagen jeder, der davon träumt, soll es auch machen. Aber du brauchst ein Backup, das ist so so wichtig! Du musst Menschen haben – Familie, Freundeskreis – die wirklich da sind, dich halten und an dich glauben. Und vor allem musst du genug Glaube an dich selbst haben, damit du so eine Show überstehst, weil den Druck darf man nicht unterschätzen. In dem Moment, wenn du da stehst, die Kamera auf dich gerichtet ist und alle dich anschauen, wirst du nervös, kriegst einen trockenen Mund und fängst an, alles zu hinterfragen, ganz egal wie gut du eigentlich bist. In dem Moment kommt man echt an seine Grenzen.
Das lernt man ja auch nicht einfach so, das ist wirklich eine extreme Ausnahmesituation, oder?
Richtig, also du wirst wortwörtlich ins kalte Wasser geworfen und merkst eigentlich erst in diesem Moment, was das bedeutet. Für mich war schon mit 12 klar, dass die Bühne mein Leben ist. Aber der Druck war irre groß und man merkt dann schnell, ob man die Kraft und den gewissen Spirit hat, das durchzuziehen. Am Ende war bei mir die Liebe zum Singen auf der Bühne größer als alle Zweifel. Das muss überwiegen und du musst es schaffen in dem Moment, in dem du abliefern musst, den Druck loszulassen. Dann weißt du, dass die Bühne auf jeden Fall auch zu dir gehört. Wenn du es schaffst, zu liefern, während dir tausende Menschen zuschauen, dann weißt du: Das ist deine Berufung.
Eigene Musik oder Musicals? Hier liegen Maries Prioritäten!
Du bist nicht nur in Musicals aktiv, sondern machst auch eigene Musik: Wie behältst du da die Balance und welche Projekte priorisierst du?
Songs zu schreiben und eigene Musik zu machen, ist für mich eigentlich das Schönste. Also Geschichten zu erzählen und Messages zu vermitteln. Es wird noch sehr, sehr viel eigene Musik von mir kommen. Aber Musicals sind einfach immer Projekte, in die natürlich sehr viel Arbeit und Energie reingesteckt wird. Das sind dann ein paar Monate, in denen ich nur den Fokus auf die Produktion setze, damit das einfach auch wirklich 100 Prozent gut wird. Die restliche Zeit teilt sich dann in eigene Musik und mein Studium auf. Ich studiere nebenbei Musikmanagement als Fernstudium und so kompensiere ich das dann.
Das klingt nach einem straffen Zeitplan! Wie viel probt ihr denn bei so einem großen Musical?
Die Probezeit umfasst nur zwei Wochen. Das klingt vielleicht im ersten Moment viel, aber bei dem Pensum einer Show, die über neunzig Minuten geht und neben Gesang ja auch Schauspiel, Tänze, Choreografien beinhaltet, Kinder und ein riesiges Ensemble auf der Bühne hat – das ist schon echt tight! Deshalb werden die zwei Wochen dann sehr intensiv genutzt, wir proben immer zehn Stunden am Tag. Man muss einfach gut vorbereitet sein, damit man das packt.
Wie bereitest du dich denn auf die Show vor? Hast du eine Workout-Routine?
Ich habe gehört auf dem Laufband die Songs zu performen, soll super sein, vielleicht muss ich das mal ausprobieren.
À la Taylor Swift meinst du?
Ja genau. (lacht) Ansonsten arbeite ich intensiv mit meinem Vocal Coach und schauspielerisch einfach machen, machen, machen! Ich übe tatsächlich ganz viel mit meiner Oma. Sie ist dann meine Rollenpartnerin und dann lerne ich mit ihr die Szenen.

„Ich bin total der Weihnachtsfreak“
Weihnachten ist in dem Stück ja zentral – wie gestaltest du die Feiertage?
Früher sind wir immer mit der Familie in die Kirche gegangen, mittlerweile ist die Weihnachtszeit aber für mich die Zeit, in der ich besonders viele Auftritte habe. Deshalb bin ich über die Feiertage oft gar nicht zu Hause. Ansonsten ist für meine Familie das Wichtigste zusammen zu sein und ganz viel zu essen! (lacht) Und natürlich Weihnachtsfilme gucken und Kekse essen, ich bin ehrlich gesagt total der Weihnachtsfreak.
Zum Abschluss: Worauf freust du dich nach Weihnachten besonders – was sind deine Pläne für 2026?
Es wird neue Musik kommen, mit der man so vielleicht nicht gerechnet hätte. Es wird eine ganz andere Richtung eingeschlagen als früher. Ich glaube, das könnte für viele sehr überraschend sein. Und Ende Januar sehe ich Dieter Bohlen in Freiburg mal wieder! Da spielt er ein Konzert und hat mich eingeladen, als Support zu spielen. Dort werde ich meinen neuen Song auch performen, darauf freue ich mich sehr.
Tickets für das Musical könnt ihr euch bei Eventim sichern.
